Aus der Vereinschronik des Musikvereins „Heimatklänge“Bergkamen


Man muss weit zurückgreifen, um die Geschichte dieses Bergkamener Vereins, dessen ursprüngliche Tradition die Spielmannsmusik war, verstehen zu können. Über die Freiwillige Feuerwehr lässt sich der Weg der Bergkamener Spielleute zurückverfolgen ‚bis zu dem Arbeiter-, Turn- und Sportverein der 20er-Jahre.

Im Mai 1957 noch als Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr im heimischen Raum bekannt, wurde der Zug aufgrund des starken Andranges jugendlicher Interessenten von der Feuerwehr getrennt. Man trennte sich in Freundschaft und die Feuerwehr gab sogar Starthilfe bei der Neugründung, indem sie dem neu zu gründenden Verein Instrumente zur Verfügung stellte. So konstituierte sich am 16.06.1957 der Verein „Heimatklänge“ Bergkamen. Zur Gründungsversammlung waren 15 aktive Spielleute des ehemaligen Spielmannszuges erschienen. In dieser Sitzung wurde der Vorstand gewählt und die Abteilung „Fanfarenzug“ neu gegründet. Schon nach einem Jahr war die Spiel- und Lautstärke beider Korps über die Grenzen Bergkamens hinaus bekannt und geschätzt. 36 aktive Spielleute und 65 passive Mitglieder zählte der Verein. Spielverpflichtungen aus Bad Driburg, Niedermarsberg, Höxter, Belgien und den Niederlanden folgten. Mancher Wettstreit wurde gewonnen. Es ging weiter aufwärts. Am 28.04.1963 wurde der Beitritt des Vereins zum „Deutschen Volksmusikerbund“ beschlossen.


Mit insgesamt 99 aktiven Musikern und 85 passiven Mitgliedern erreichte der Verein 1968 seinen höchsten Mitgliederstand. Am 01.10.1968 wurde als dritte Abteilung des Vereins ein Jugendblasorchester ins Leben gerufen, dessen erstes Konzert am 12.11.1969 im Rahmen der Jugendwoche des Stadtjugendringes ein voller Erfolg war. Zu diesem Zeitpunkt war das Jugendorchester mit 27 Musikern besetzt. In den folgenden Jahren repräsentierte der Verein den Volksmusikerbund auf Landes- bzw. Kreisebene, so war er z.B. 1969 als Ausrichter der Landesjahreshauptversammlung.


Doch trotz intensiver Bemühungen der Vereinsführung und wiederholter Anträge bei der Stadtverwaltung gelang zu diesem Zeitpunkt jedoch es nicht, einen geeigneten Übungsraum für unsere Korps zu bekommen. Darüber hinaus traten finanzielle Belastungen auf, so dass der Vorstand am 05.02.1972 die vorläufige Auflösung des Blasorchesters beschloss.


Es ging jedoch erfolgreich weiter 1973 organisierte der Verein das Landesjugendmusikfest. Im Jahre 1977 wurde das 20-jähriger Vereinsbestehen im Rahmen der eigenverantwortlichen Ausrichtung des ersten Kreismusikfestes für den Verband „Unna-Ruhrgebiet“ gefeiert. Gegen Ende 1977 wurde der vereinseigene Spielmannszug wegen akuten Mangels an Ausbildungsräumen, Ausbildern und Nachwuchsmusikern aufgelöst. Auch das Fanfarenkorps befand sich zu dieser Zeit im Umbruch; die Besetzung mit Ventilinstrumenten sollten das Korps zu einem besseren Niveau verhelfen und den Weg zum heutigen Blasorchester ebnen.

Im Jahre 1981 verzeichnete das Korps einen derart großen Zugang an Jugendlichen Instrumentalisten, dass die Besetzung auf 34 Musiker anwuchs. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Verein auf ein Instrumentarium von 3 Trompeten, 10 Flügelhörnern, 6 Zugposaunen, 3 Ventilposaunen, 2 Tenorhörnern, 1 Tuba, 1 Lyra, 4 Konzerttrommeln, 1 Großen Trommel, 2 Paar Becken, 1 Schlagzeug und verschiedenen Rhythmusinstrumenten zurückgreifen. Das Ziel ein kleines Blasorchester aufzubauen war also erreicht.

Höhepunkt des Jahres 1982 waren die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Vereinsbestehen und zur 25-jährigen Namensnennung „Musikverein Heimatklänge“ am 18. Und 19. September, in deren Verlauf die feierliche Standartenweihe stattfand.



Aus diesem Anlass überreichte der damalige Vorsitzender des Kreisverbandes, Herr Günther Marx, Karl Helleberg als dem derzeitigen Vorsitzenden des Vereins eine Ehrenplakette des Landesverbandes Westfalen-Lippe im Volksmusikerbund, welche dem Verein offiziell ein 75-Jähriges Bestehen bestätigte.


In der Zeit vom 19. bis 21. Juni 1987 feierte der Verein sein 30-jähriges Bestehen, zu dem auch erstmals das 100 Mann starke „Veldhovens Muziekkorps“ aus Holland zu Gast in Bergkamen war. Seit diesem ersten Kontakt besteht auch heute noch eine tiefe Freundschaft zu diesem Verein. Ein ganz besonders inniges Freundschaftsverhältnis baute der Verein in der Folgezeit zu der etwa 25-Musiker starken Kapelle „De Gendergalm“ auf, deren Mitglieder zum „Muziekkorps Veldhoven“ gehörten. Bereits im darauf folgenden Jahr erfolgte erstmals der Gegenbesuch in Veldhoven/Holland.


1990 veranstaltete der Verein ein Frühjahrskonzert, zu dem erstmals neben der befreundeten Kapelle „De Gendergalm“ aus Holland auch eine tschechische Blaskapelle namens „Privoranka“ aus dem Kreis Melnik/Nähe Prag geladen wurde. Erste Kontakte zu dieser Kapelle konnten im Vorjahr anlässlich des Gegenbesuches in Holland geknüpft werden. Auch zur Blaskapelle „Privoranka“ verbindet die Musiker des Vereins auch heute noch eine tiefe Freundschaft.


Zum 35-jährigen Vereinsbestehen wurde im Jahre 1992 ein zweitägiges Jubiläumsfest veranstaltet, zu dem der Verein neben benachbarten Musikzügen auch unsere holländischen und tschechischen Musikfreunde begrüßen durfte, welche das Publikum mit ihrer Musik begeistern konnten. In der nahezu gleichen Konstellation fanden am 03. und 04. Mai 1997 die Feierlichkeiten anlässlich der 40-jährigen Namensgebung des Vereins statt. Neben befreundeten Musikzügen aus der näheren Umgebung und den Musikern von „De Gendergalm“ und „Privoranka“ begeisterten darüber hinaus erstmals die eigens für die Unterhaltung im Rahmen einer Tanzveranstaltung engagierten „Original Ruhpottsteirer“ aus Moers das Publikum.


Immer weiter wuchs und wächst die Popularität des Blasorchesters im In- und Ausland, so hatte man 1989 in der Nähe von Paris an den Feierlichkeiten anlässlich des 200. Jahrestages der Französischen Revolution teilgenommen. Musikalische Reisen führten die Musiker und ihre Begleiter aber auch nach Österreich und zu Anfang der 1990er Jahre jährlich in den Kreis Melnik/Nähe Prag – wo die „Säulen“ der böhmischen Musik stehen - und bis heute regelmäßig zu ihren musikalischen Freunden in Veldhoven/Holland.

Daneben standen aber schon bekannte inländische Regionen als Reiseziel auf dem Programm. So unternahm die Blaskapelle nebst Begleitern im vergangenen September eine Reise ins Ruwer-Tal und war zu Gast der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Musikvereins „Lyra-Welschbillig“ in der Nähe von Trier. Im Rahmen dieser Reise fanden auch ein Abstecher nach Luxemburg sowie eine Bootsfahrt auf der Mosel statt.


Die heutige Zielsetzung des Blasorchesters „Heimatklänge“ Bergkamen e.V. ist das Praktizieren und Verbreiten volkstümlicher Blasmusik (Polkas, Walzer, Märsche) aus Tschechien, Österreich und Deutschland. Aber auch Musikstücke der modernen Blasmusik werden zunehmend in das Repertoire aufgenommen.


2007 feierte das Blasorchester sein 100-jähriges Vereinsbestehen und die 50-jährige Namensnennung „Heimatklänge“ in den Räumlichkeiten der „Pfalzschule“ in Bergkamen-Weddinghofen. Auch hierzu wurden wieder befreundete Vereine aus der näheren Umgebung geladen. Neben den längjährigen Freunden von „Privoranka“/Tschechien  war darüber hinaus erstmals ein ca. 50-Mann starker Musikzug aus Kempengroen/Holland zu Gast.

An dieser Stelle möchte der Verein noch zwei besonderen Mitgliedern gedenken:

Herr Günther Marx, geboren am 22.08.1922, war Mitbegründer und Namensgeber des Vereins. Bis zu seinem Tode am 05.07.1991 stand er dem Verein zunächst als Stabführer und Ausbilder, später als 1. Vorsitzender und zuletzt als Ehrenvorsitzender zur Seite.

Auch im Volksmusikerbund war er ehrenamtlich engagiert. Dort bekleidete er zunächst die Funktion als Vorsitzender des Kreisverbandes Unna-Ruhrgebiet, später als Ehren-Vorsitzender des Landesverbandes. Darüber hinaus war er Landesfachleiter für das Spielmannswesen und zuletzt Bundesmusikdirektor für Spielmannswesen und Blasmusik. In Anerkennung an diese ehrenamtlichen Tätigkeiten wurde ihm am 19.12.1986 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Der Musikverein „Heimatklänge“ Bergkamen wird Herrn Günther Marx immer ein ehrendes Andenken bewahren.


Eine weitere hohe Auszeichnung für dessen jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit für die Volksmusik wurde unserem Ehrenmitglied, Herrn Enrico Lievore, geboren am 06.02.1913, verliehen. Er erhielt am 20.06.1987 einen Orden des CISM (Confédération Internationale des Sociétés Musicales) verliehen. Herr Enrico Lievore verstarb am 27.07.1992. Auch ihm wird der Verein immer eine ehrendes Gedenken gewähren.


 




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